Max Horkheimer wird heute oft nur mehr über seine Direktorenrolle am Institut für Sozialforschung sowie über die Dialektik der Aufklärung rezipiert, weil er diese mit Adorno zusammen verfasst hatte. Dabei sind seine zahlreichen, aber kaum gelesenen Aufsätze aus den 1930er Jahren in vielerlei Hinsicht von hervorragendem Interesse. Nicht zuletzt nehmen sie die kritische Marx-Interpretationen der 1960er Jahre wie die Louis Althussers vorweg, die heute als Standard gelten.
WeiterlesenAutor: emanuel
Was heißt Kulturrevolution?
Ein Familienfest, ein Konzert oder eine Clubnacht produzieren enorme Energien, man ‚lebt auf‘ und hat danach um etliches mehr Kraft als zuvor. Care-Arbeit ist nicht nur eine Dienstleistung mit den objektiven Effekten von Pflege und Gesundheit, sondern sie schließt ein aktives emotionales und soziales Engagement ein, das durch Wohlfühlen und Erholung Energie produziert.
WeiterlesenHegels Kritik der bürgerlichen Öffentlichkeit
Hegels entwickelt in der Phänomenologie des Geistes eine kritische Analyse der bürgerlichen Öffentlichkeit. Wie Fredric Jameson bemerkt, kommt diese Analyse der idealisierten aufklärerischen Öffentlichkeit von Jürgen Habermas aus dessen Buch Der Strukturwandel der Öffentlichkeit sehr nahe.
Aber Hegel war kein Aufklärer. In die Endphase der Aufklärung geboren, machte er zwar zunächst die Verwirklichung ihrer radikalen Impulse zu seinem eigenen Projekt. Doch Hegel markiert zugleich das Ende der Aufklärung, weil er nicht zuletzt aufgrund des Verlaufs und des Scheiterns der Französischen Revolution zu einer deutlichen Kritik an der bürgerlichen Öffentlichkeit findet.
WeiterlesenHans-Jürgen Krahl in italiano
Costituzione e lotta di classe di Krahl è stato pubblicato in italiano già nel 1973, ma per molto tempo non è stato più disponibile. Recentemente è stata pubblicata una nuova edizione basata sulla quinta edizione tedesca del 2008, notevolmente rivista e ampliata con articoli su Krahl. La nuova edizione italiana è accompagnata da una prefazione aggiornata di Elia Zaru, che introduce la vita e l’opera di Krahl e la colloca nel dibattito dagli anni Settanta a oggi.
Krahls Konstitution und Klassenkampf kam bereits 1972 auf Italienisch heraus, war aber lange nicht mehr erhältlich. Kürzlich erschien nun eine italienische Neuausgabe auf der Basis der deutschen 5. Auflage von 2008, die erheblich überarbeitet und um Beiträge über Krahl erweitert worden war. Die italienische Neuausgabe wird von einem aktuellen Vorwort von Elia Zaru begleitet, das in Krahls Leben und Werk einführt und in den Debatten seit den 1970ern bis zur Gegenwart situiert.
Aufsatz über Marcuse und 1968 erschienen
Der Aufsatz „Herbert Marcuse and the West German student movement“, den ich gemeinsam mit Meike Gerber und Julian Volz erarbeitet habe, ist jetzt mit dem Marcuse-Handbuch „The Marcusean Mind“ bei Routledge erschienen.
WeiterlesenAlfred Sohn-Rethel: „Der originellste marxistische Kopf der Gegenwart“
1967 wird Oskar Negt von Hans-Jürgen Krahl auf Alfred Sohn-Rethel aufmerksam gemacht. Negt in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde an Sohn-Rethel in der Universität Bremen am 5. Februar 1988:
„Wenn ich darüber nachdenke, wo und wann ich den Namen Sohn-Rethel zum ersten Mal gehört habe, fällt mir eine dumpfe Eckkneipe nahe der Bockenheimer Warte in Frankfurt/M. ein, wo Hans-Jürgen Krahl und seine politischen Freunde auf das Bündnis von Intellektuellen und Arbeitern regelmäßig anzustoßen pflegten. Auch ich besuchte diese Kneipe zuweilen; Krahl mich eines Nachts ins Vertrauen und stellte mir die Frage: ‚Weißt Du eigentlich, wer der originellste marxistische Kopf der Gegenwart ist?‘ Ich rätselte, nannte alle, die ich kannte; er machte dem ziellosen Ratespiel ein Ende und sagte: ‚Sohn-Rethel.‘ Ich war verblüfft: merkwürdig, ich kannte noch nicht einmal den Namen. ‚Dann lies seine Vorträge, gehalten an der Humboldt-Universität über Warenform und Denkform!‘, gab mir Krahl auf den Weg. Da wir gerade beim Trinken waren, brachten wir auf Sohn-Rethel einen Toast aus – mit einem doppelten Doppelkorn, der typischen Krahlschen Maßeinheit. Es mag 1967 gewesen sein.“
Zeitschrift Leviathan, 1988, Jg. 16, Nr. 2, S. 139-155, hier S. 142.
Eine neue Hegel-Lektüre?
Zur Zeit zieht die Rede von einer „neuen Hegel-Lektüre“ und einer „Hegel-Renaissance“ sehr viel Aufmerksamkeit auf sich:
So habe die französische postmoderne Philosophie in den letzten Jahrzehnten Hegel aufs Schärfste bekämpft. In der akademischen Welt habe es darum sogar einen regelrechten Bann über dem Hegelianismus gegeben, lange Zeit sei es deshalb nicht möglich gewesen, sich im Zuge akademischer Karrieren mit ihm auseinanderzusetzen.
WeiterlesenHans-Jürgen Krahl auf Griechisch
Griechische Marxist:innen um Thanasias Giouras und Dimitris Karydas haben eine neue Zeitschrift, ΚΡΙΤΙΚΟΣ ΛΟΓΟΣ (dt. „kritische Vernunft“) gegründet. Deren erste Ausgabe ist Ende 2023 erschienen und präsentiert die erstmalige Übersetzung der vier vermutlich wichtigsten oder zumindest einflussreichsten Aufsätze von Krahl, die von einem Artikel von Karydas eingeleitet werden:
- „Angaben zur Person“: ΔΗΛΩΣΕΙΣ ΓΙΑ ΤΟ ΠΡΟΣΩΠΟ ΜΟΥ
- „Zur Geschichtsphilosophie des autoritären Staates“: ΓΙΑ ΤΗ ΦΙΛΟΣΟΦΙΑ ΤΗΣ ΙΣΤΟΡΙΑΣ ΤΟΥ ΑΥΤΑΡΧΙΚΟΥ ΚΡΑΤΟΥΣ
- „Zur Wesenslogik der Marxschen Warenanalyse“: ΓΙΑ ΤΗ ΛΟΓΙΚΗ ΤΗΣ ΟΥΣΙΑΣ ΣΤΗ ΜΑΡΞΙΚΗ ΑΝΑΛΥΣΗ ΤΟΥ ΕΜΠΟΡΕΥΜΑΤΟΣ
- „Thesen zum allgemeinen Verhältnis von wissenschaftlicher Intelligenz und proletarischem Klassenbewusstsein“: ΘΕΣΕΙΣ ΓΙΑ ΤΗ ΓΕΝΙΚΗ ΣΧΕΣΗ ΜΕΤΑΞΥ ΕΠΙΣΤΗΜΟΝΙΚΗΣ ΔΙΑΝΟΗΣΗΣ ΚΑΙ ΠΡΟΛΕΤΑΡΙΑΚΗΣ ΤΑΞΙΚΗΣ ΣΥΝΕΙΔΗΣΗΣ
Ines Schwerdtners Neo-Kautskyanismus
Ines Schwerdtner hat ihre politische Strategie für die Linkspartei bereits im Juli für die Zeitschrift LuXemburg unter dem Titel „Für einen Kurswechsel“ dargelegt. Hier einige Argumente zur Kritik ihrer durchaus problematischen neo-kautskyanischen Strategie, die die Krise der Partei nur scheinbar löst, in Wirklichkeit aber verlängern wird.
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Krahl-Forschung in der Weimarer Nietzsche-Villa
Sommer! Sonne! Weimar! Nietzsche! Krahl!
Diesen Sommer werde ich, als Fellow des Kolleg Friedrich Nietzsche in Weimar, im „ehemaligen Nietzsche-Archiv“ wohnen und mich mit Krahls unveröffentlichtem Nachlass zu Nietzsche beschäftigen.
Den habe tatsächlich ich bei Recherchen im Krahl-Nachlass im Archiv des Hamburger Instituts für Sozialforschung entdeckt (vielen Dank für eure Unterstützung, liebe Archiv-Mitarbeiter:innen!). Bis dato ist nichts davon veröffentlicht, und das wird sich jetzt hoffentlich bald ändern!