Ein Familienfest, ein Konzert oder eine Clubnacht produzieren enorme Energien, man ‚lebt auf‘ und hat danach um etliches mehr Kraft als zuvor. Care-Arbeit ist nicht nur eine Dienstleistung mit den objektiven Effekten von Pflege und Gesundheit, sondern sie schließt ein aktives emotionales und soziales Engagement ein, das durch Wohlfühlen und Erholung Energie produziert.
WeiterlesenSchlagwort: Kulturkritik
Hegels Kritik der bürgerlichen Öffentlichkeit
Hegels entwickelt in der Phänomenologie des Geistes eine kritische Analyse der bürgerlichen Öffentlichkeit. Wie Fredric Jameson bemerkt, kommt diese Analyse der idealisierten aufklärerischen Öffentlichkeit von Jürgen Habermas aus dessen Buch Der Strukturwandel der Öffentlichkeit sehr nahe.
Aber Hegel war kein Aufklärer. In die Endphase der Aufklärung geboren, machte er zwar zunächst die Verwirklichung ihrer radikalen Impulse zu seinem eigenen Projekt. Doch Hegel markiert zugleich das Ende der Aufklärung, weil er nicht zuletzt aufgrund des Verlaufs und des Scheiterns der Französischen Revolution zu einer deutlichen Kritik an der bürgerlichen Öffentlichkeit findet.
Weiterlesennd-Artikel zum Rechtsruck und der fehlenden Klassenpolitik der Linken
Ich habe einen Artikel für das nd (29.09.2023) geschrieben, in dem ich die derzeit verbreitete Erklärung des Rechtsrucks kritisiere, derzufolge die fehlende Klassenpolitik die Ursache sei.
Ich zeige, wie substanzlos diese Erklärung ist, stelle eine eigene Erklärung dagegen und skizziere einen sozialistischen Antifaschismus, der der radikalen Rechten effektiv etwas entgegensetzen könnte. Der setzt aber nicht auf Klassenpolitik, sondern auf Kulturrevolution in Orientierung an 1917 und 1968 (ohne dabei die Klassenpolitik auszuschließen).
Reichtumsproduktion, psychische Energie und Kulturkritik
Ideologie- und Kulturkritik kann nicht darin bestehen, lediglich entfremdete Formen zu kritisieren, wie dies bei den heute üblichen Theorien der Fall ist (etwa Althussers Ideologietheorie oder Lukács‘ Verdinglichungskritik). Man muss vielmehr aufzeigen, dass in diesen entfremdeten Formen eine materielle Substanz in einer entfremdeten, abstrakten Form zirkuliert und uns beherrscht: Wie man dies nun auch nennt, psychische Produktion, psychische Energie, kultureller Reichtum, innere seelische Kraft.
Erst das kann eine wirklich materialistische Kulturkritik begründen, im Gegensatz zu einer letztlich idealistischen wie eben von Althusser oder Lukács.
Skizze einer kulturkritischen marxistischen Lektüre des Anti-Ödipus
Ich versuche hier eine kulturkritische marxistische Lektüre des Anti-Ödipus auszuarbeiten. Zusammengefasst kann man sehr viel von der Kulturkritik des Anti-Ödipus lernen und sich von ihren antiautoritären Emanzipationsideen inspirieren lassen, muss sich dafür aber mit ziemlich grundlegenden Problemen auseinandersetzen, aufgrund derer der Anti-Ödipus praktisch – obwohl er in seinem Selbstverständnis marxistisch und revolutionär ist – bloß auf beschränkte Emanzipationen in finanziell abgesicherten kulturellen Nischen hinausläuft.
WeiterlesenWilhelm Reich
Wilhelm Reich hat ein eigentümliches Schicksal. Er ist eigentlich unbekannt geworden. Über seine Theorie gibt es Kenntnis fast nur noch aus zweiter Hand, seine Texte werden nicht mehr gelesen, sie sind in Buchform nur ganz schwer zugänglich, es gibt keine Werkausgabe. Wissen über ihn beschränkt sich meistens darauf, dass er „verrückt geworden ist“ und eine esoterische Theorie einer Körperenergie namens Orgon vertreten hat, die mit dem Orgasmus zusammenhängen soll. Genau diesen Reich ergibt auch eine Internet-Recherche.
WeiterlesenWarum Benjamin heute für uns wichtig ist. Fünf Thesen
Gerade komme ich von einer intensiven Woche voller Inhalt und Diskussionen rund um Walter Benjamin, beim großartigen Kantine-Festival in Chemnitz. Ich habe jetzt im Nachgang fünf Thesen entwickelt, welche Aspekte Benjamins wir mit welchen Fragestellungen aus Perspektive einer zeitgemäßen marxistischen Theorie rezipieren können. Dazu also fünf Thesen, in denen ich teilweise etwas vorläufig versuche, den Zugang zu Benjamin zu umreißen.
WeiterlesenSeminar WiSe „Der Geist von 1968 und das Verhältnis von Ökonomie und Kultur“
Im Wintersemester gibt’s am Institut für Kulturwissenschaft der HU ein Seminar von mir, voraussichtlich wieder Mittwoch 10-12 Uhr, leider immer noch online.
Das Thema ist das erste Kapitel meiner Diss. Ich freu mich auf euch! Hier der Ankündigungstext:
WeiterlesenZur kulturtheoretischen Betrachtung des Faschismus
Ein Zugang zum Faschismus, der das Problem individualpsychologisch zu fassen versucht, muss scheitern. Faschismus kann zwar nicht „objektiv-materiell“, d. h. als ein bestimmtes polit-ökonomisches Verhältnis gefasst werden (ökonomische Krise, Interessen des Monopolkapitals, racket-Kriminelle am Staatsapparat, Diktatur als Unterdrückung von Elendsrevolten usw.), sondern gerade nur durch die psychologische und ideologische Affirmation der Unterdrückung. Insofern ist der Zugriff des Freudomarxismus auf den Faschismus total richtig, also der These von Wilhelm Reich, Erich Fromm & Co., dass der Faschismus eine psychologische Dynamik darstellt.
WeiterlesenGegen Individualpsychologie, für Kulturtheorie
Es scheint mir in der kritischen Theorie des bürgerlichen Subjekts recht durchweg eine Verkürzung der Betrachtung auf das Subjekt als Individuum zu geben, im Gegensatz zu der eigentlich nötigen Betrachtung des Subjekts innerhalb der bürgerlichen Kultur (als Teil dieser Kultur, als konstituiert durch diese Kultur und als diese Kultur konstituierend).
Mit der kritischen Theorie des bürgerlichen Subjekts meine ich etwa die Sozialpsychologie des Antisemitismus oder die Theorie der ideologischen Unterwerfung/Zustimmung zum Kapitalismus.
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